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06.04.2012, 16:09 Uhr
Eiersuche
Mein Wort der Woche
Freitag, 6. April 2012: In diesen Tagen sind sie nicht zu übersehen. Osterhasen wohin man schaut. Zweibeinige und Langohren. Bereits um Christi Geburt galt der Hase als Sinnbild für Fruchtbarkeit, Leben und Wachstum – die gleichen Symbole, für die auch das Ei steht, das er zu Ostern austrägt. Und noch eine Verbindung gibt es zwischen Ei und Hase: Das Ei war, ebenso wie der Hase, steuerliche Abgabe der Bauern an ihren Grundeigentümer oder an die Kirche. Auch der Termin, an dem die Zinsen gezahlt werden mussten, war jedes Jahr der gleiche: Ostern.
Die traditionelle Eiersuche ist heute noch ein fester Osterbrauch. Dabei war es nicht immer der Osterhase, der die Eier brachte. Bevor er sich in den deutschsprachigen Ländern als Eierbringer durchsetzte, brachten in einigen Regionen ganz andere Tiere die reich verzierten und gefärbten Eier: In Thüringen war es der Storch. In Österreich, Oberbayern, Sachsen und Schleswig-Holstein kam der Hahn mit der Kiepe und im westfälischen und hannoverschen Raum der Fuchs. In der Schweiz schließlich, brachte der Kuckuck die Eier.

Goldene Kuckuckseier werden heute noch gerne in der Schweiz versteckt. Um die steuerliche Abgabe zu umgehen, lagern Milliardenvermögen deutscher Bundesbürger auf anonymen Schweizer Nummernkonten. So schließt sich der Kreis. Genauso wenig, wie man in Nachbars Garten nach Ostereiern sucht, sollten sich aber auch deutsche Steuerfahnder in der Schweiz zurückhalten. Gesetze brechen, Hehlerware besorgen und dieses dann noch mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnen? Das darf nicht unser Anspruch sein. Ich wünsche Ihnen schöne Ostertage und viel Erfolg bei der Eiersuche – im eigenen Garten.