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27.05.2012, 10:02 Uhr
Geuro
Mein Wort der Woche
Es wird wieder spekuliert. Orakelt und polemisiert. Eine Zweitwährung für Griechenland, ein "Geuro" wird aus dem Hut gezaubert und als Heilmittel gepriesen. Vor gut zwanzig Jahren bereitete die deutsch-deutsche Währungsunion den Weg für die Einheit unseres Landes. Der Wechselkurs war politisch festgezurrt. Wer wusste denn damals wirklich, wie es um die Wirtschaft der DDR bestellt war. Die gescheiterte DDR wurde mit der wirtschaftlich erfolgreichen BRD fusioniert. Ohne Blaupause. Weil es politisch gewollt war.
Die Währungsunion war unverzichtbarer Bestandteil der deutschen Einheit. Eine innerdeutsche Zollgrenze, DDR-Bürger als Bundesbürger zweiter Klasse wären die Konsequenz gewesen, wenn man den damaligen Ratschlägen der Ökonomen gefolgt wäre. Die Grundlagen der europäischen Einheit wurden fast zeitgleich gelegt. Das politische Instrument einer Währungsunion funktioniert auch in Europa. Seit Jahren.

Nun stehen wir an einem Scheideweg. Wie solidarisch sind wir als EU-Bürger mit unseren Nachbarn? Sind die wirtschaftlichen und emotionalen Verbindungen auf unserem Kontinent stark genug, um aus einer Währungsunion eine politische Union zu bilden? Sind wir ein Volk? Der Euro ist die europäische Währung. Das Zahlungsmittel der europäischen Einheit. Wenn wir die europäische Einheit wollen, brauchen wir den Euro. Und keinen Geuro oder Deuro.