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03.07.2013, 08:31 Uhr
Begnadete Körper tauchen ab
Carpesol eröffnet mit Strip am Beckenrand von Rehkämper, Schirmbeck und de Witt
Bad Rothenfelde. Nach etlichen Festreden, reichlich Lob zu allen Seiten und üppigen Bedank-Blumensträußen ging die offizielle Eröffnung der neuen Bad Rothenfelder Therme Carpesol mit einem Männerstrip am Beckenrand und einem beherzten Sprung ins warme Nass im besten Sinne „baden“.
Unkonventionelle Sprungtechniken zeigten Helmut de Witt (von links), Georg Schirmbeck und Klaus Rehkämper als erste Badegäste unter der Kuppel des Carpesol. Foto: Egmont Seiler


Architekt Helmut de Witt zupfte noch zaghaft an Schuhen und Krawatte herum, als sich Bürgermeister Klaus Rehkämper bereits lasziv aus dem Oberhemd schälte und der Strip des CDU-Bundestagsabgeordneten Georg Schirmbeck von helfenden Damen gnädig mit einem großen Handtuch verhüllt wurde.

Dann kamen sie zum Vorschein: blau-weiße Ringel bis zum Knie. Doch auch die Badeanzüge von anno dazumal konnten die begnadeten Körper darunter kaum verhüllen. De Witt gab den Muskelprotz, Schirmbeck benetzte sich zu den Klängen von „New York, Rio, Tokio“ das Gesicht. Dann setzten alle drei zum Splashdiving ins Becken an. Bei dieser Sportart geht es bekanntlich darum, beim Eintauchen ins Becken möglichst mit viel Wasser zu verdrängen. Das gelang – und die Brille von Klaus Rehkämper saß selbst beim Auftauchen noch perfekt. Nötig war sie, denn der Anblick zweier graziler Nixen, die sich durchs Wasser schlängelten, löste bei allen drei Premieren-Planschern plötzliches und lautstarkes Entzücken aus.

Darüber schmunzelten unter den vielen geladenen Gästen nicht nur die Bürgermeister der Südkreisgemeinden, sondern auch deren Kollegen aus dem benachbarten Westfalen. Klemens Keller aus Borgholzhausen überreichte den Bad Rothenfeldern ein Lebkuchenherz und rühmte die „herzliche Verbindung“ über die Landesgrenze hinweg. Bürgermeister Klaus Rehkämper erinnerte noch einmal an das alte Hallensolewellenbad, „einen Erfolg“, der aber in die Jahre gekommen war und in den letzten Jahren seiner Existenz merklich weniger Badegäste anzog. Schon 2001 nahm Bad Rothenfelde deshalb den Bau einer neuen Therme in seinen Entwicklungsplan auf. „Der Rat hat sich die Entscheidung für den Bau des Carpesol nicht leicht gemacht, aber wir haben es gemeinsam hinbekommen“, freute sich der Bürgermeister. Die Investition sei nicht ohne Risiko, aber beherrschbar. Dass der Bau nun um 3,8 Prozent teurer werde als im Festpreis vereinbart, sei bedauerlich, aber zu bewältigen, wenn sich, so Rehkämper mit Blick zu Landrat Michael Lübbersmann, Gemeinde, Betreiber und Landkreis zusammentäten.

Wie zukunftsträchtig das Thema Gesundheit ist, dem der Tourismus des Osnabrücker Landes viel Raum gibt, verdeutlichte Carolin Ruh. Für die Geschäftsführerin der Tourismus-Marketing Niedersachsen ist das Carpesol deshalb ein ideales Element der Vermarktung. Sie mahnte die Touristiker des Vitalbäderverbundes: „Unterschätzen Sie die Tagestouristen nicht. Sie können auch zu Übernachtungsgästen werden.“

„Der Landkreis ist stolz auf seine vier Heilbäder“, lobte Landrat Michael Lübbersmann das Engagement Bad Rothenfeldes, Bad Iburgs, Bad Laers und Bad Essens, die jährlich eine Million Gäste beherbergen, die Hälfte von ihnen in Rothenfelde. „Was wir nicht wollen, ist ein ruinöser Wettbewerb unter den Heilbädern“, mahnte er gegenseitige Solidarität an. Das Carpesol hofft auf 300 000 Besucher pro Jahr.

Viele Unkenrufe, ob der Bau denn wirklich pünktlich fertig werde, musste sich Architekt Helmut de Witt anhören. Tatsächlich wurde Dienstag früh bis zur letzten Sekunde gearbeitet. Während vorne die Gäste eintrafen, wischten hinten die Handwerker aus der Tür: „Aber wir haben es dank der fantastischen Kräfte unserer Firmen und der Helfer aus unserem eigenen Team geschafft“, sagte de Witt. Der Vertrag setzte eine Frist bis Ende Juli.

Besucher können sich heute von 10 bis 20 Uhr beim Tag der offenen Tür einen Eindruck vom Carpesol verschaffen. Am Donnerstag beginnt der Badebetrieb.

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